Recyclinghof Mehla: Gegen 10.40 Uhr lädt ein 62-jähriger Fahrzeugführer Betonbruch von einem Dreiachser LKW-Abrollcontainer mit Hakenlift-Funktion. Als er den Container entleert hat und wegfahren will, ist er unaufmerksam und bleibt mit dem Hakenlift in einer 20 Kilovolt-Starkstromleitung hängen. Der Lkw fängt Feuer. Dicke, schwarze Rauchwolken steigen auf, die weithin zu sehen sind.
"Es war etwa 10.50 Uhr, als wir alarmiert worden sind", sagt Frank Schneider, stellvertretender Stadtbrandmeister in Zeulenroda-Triebes und Einsatzleiter in Mehla. Er selbst sei kurz nach 11 Uhr auf dem Gelände der Entsorgungsgesellschaft Umwelt mbH eingetroffen. Etwa 24 Feuerwehrleute aus Zeulenroda-Triebes, Dörtendorf und Mehla waren mit vor Ort. Doch es habe fast nichts gelöscht werden können, da bis etwa 12 Uhr keiner genau habe sagen können, ob noch Strom auf der Leitung ist, sagt Schneider. "Als der Strom schließlich abgeschaltet war, gab es nicht mehr viel zu löschen. Der Lkw war zu dieser Zeit schon fast ausgebrannt. "Glücklicherweise ist niemand verletzt worden", sagt Andreas Künzel, Geschäftsführer der Entsorgungsgesellschaft. Er sei gerade auf dem Rückweg von einem Termin bei der Bad Köstritzer Stadtverwaltung gewesen, als er gegen 11 Uhr über das Geschehen in Mehla informiert wurde. "Natürlich bin ich sofort hingefahren. Es war ein ganz schöner Schreck. Überall standen Schaulustige herum. Ich wusste ja, da es ein Lkw der Firma war, dass einer unserer Mitarbeiter in Gefahr ist", sagt Künzel. "Letztendlich hatten wir fast noch mehr Glück als Pech", so der Geschäftsführer.
Der Lkw-Fahrer, der seit April 1986 in der Firma arbeitet, sei gelernter Elektriker. Er habe genau gewusst, wie er sich verhalten muss. "Er ist nicht aus dem Lkw ausgestiegen, sondern gesprungen, so dass er mit beiden Beinen auf der Erde gelandet ist. Ansonsten wäre er verbrannt oder durch einen Stromschlag zu Tode gekommen", sagt Andreas Künzel, der gar nicht daran denken mag. Der Vorfall hat einiges ins Rollen gebracht. So will Künzel erneut alle Kraftfahrer im Hause belehren. Die Betriebsverordnung soll zum Thema Starkstromleitung ergänzt werden. Außerdem will er versuchen, mit dem Energieversorger Eon zu sprechen, ob die Stromkabel nicht in die Erde verlegt werden könnten.
Der unachtsame Lkw-Fahrer habe zumindest seitens Künzels nichts zu befürchten. "Er ist ein zuverlässiger Mitarbeiter, ich stehe voll hinter ihm", so der Geschäftsführer. Er betont jedoch, dass er damit nicht entschuldige, dass einer seiner Mitarbeiter die Pflicht vernachlässigt habe zu überprüfen, ob er den Abladeplatz gefahrlos verlassen könne.
Heute soll der 62-jährige Mitarbeiter dem Dienstplan zufolge wieder im Einsatz sein. Ein paar freie Tage würde sein Chef ihm allerdings zugestehen, denn beim Ausbrennen des Lkws ist seine Aktentasche mit allen persönlichen Dingen wie Hausschlüssel, Pass, Führerschein und Geld vernichtet worden. Beim Brand beschädigt wurde auch die Hochspannungsleitung, Kabel müssen ausgetauscht werden. In Mehla, Brückla und Reichenfels fiel der Strom aus. Es entstand ein Schaden von mehreren tausend Euro.
Quelle: Ute Flamich; OTZ-Onlineausgabe vom 18.08.2011












