Mönchgrün. "Er war ein ruhiger und sicherer Pilot", sagt Gisela Krösel. Die Bürgermeisterin von Moßbach kannte Andreas B., der beim Absturz seines Hubschraubers mit seinen drei Fluggästen ums Leben kam, gut. "Ich bin selbst schon mit ihm geflogen", berichtet sie allerdings mit seinem Flugzeug, einer kleinen Propellermaschine. Den Hubschrauber habe B. erst vor gut einem Monat angeschafft. Es sei vermutlich sein erster Hubschrauberflug mit Gästen gewesen. Trotzdem, an seinen Fähigkeiten zweifelt Gisela Krösel nicht: "Er wollte mich auch beim ersten Mal mitnehmen." B. habe am Wochenende noch versucht, sie anzurufen: "Aber ich war nicht zu Hause. Sonst wäre ich vielleicht mitgeflogen", sagt die Bürgermeisterin leise.
Gestartet war der Hubschrauber vom Typ Fairchild-Hiller FH 1100 am Pfingstsonntag vermutlich von einem privaten Start- und Landeplatz in Moßbach, was die Polizei aber gestern noch nicht bestätigte. An Bord waren der 49-jährige B. sowie ein 50-Jähriger aus Görkwitz und ein 50-Jähriger mit seinem 22-Jährigen Sohn aus Oettersdorf. Beide Orte gehören zur selben Verwaltungsgemeinschaft wie Moßbach. Gegen 16.30 Uhr stürzte der Helikopter in Mönchgrün bei Schleiz auf ein Feld am Waldrand. Laut Augenzeugen fiel er wie ein Stein aus rund 50 Metern Höhe herunter. In der Nacht zu gestern bargen Polizei und Feuerwehr die Leichen und das Wrack. Experten vom Luftfahrtbundesamt suchen nach der Ursache des Absturzes.
Noch steht diese nicht fest. Es gibt aber Anzeichen, dass dem 1968 gebauten Hubschrauber der Treibstoff ausgegangen war. Ein Augenzeuge sagte unserer Zeitung, der Helikopter habe vor dem Absturz Aussetzer gehabt. Ein Ohrenzeuge bestätigte, den Motor stottern gehört zu haben. Zudem habe das Wrack nicht gebrannt und nicht nach Benzin gerochen, so Feuerwehr-Einsatzleiter Ronny Schuberth am Sonntagabend. Ein Polizeisprecher betonte aber gestern, im Ackerboden an der Absturzstelle habe man "Betriebsstoffe" gefunden. Ob es sich um Motoröl oder Treibstoff handele, müsse noch ermittelt werden.
Moßbachs Bürgermeisterin Gisela Krösel will nicht über Ursachen spekulieren. Fest stehe, sagt sie mit belegter Stimme, dass das Dorf mit Andreas B. einen sehr engagierten Bewohner verliere. Der Unternehmer war im Gemeindeleben aktiv und hat zudem viel gespendet, ob für den Sportverein oder den Kindergarten. Seine Leidenschaft fürs Fliegen war "im ganzen Kreis bekannt", erklärt eine junge Frau aus Moßbach, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. "Er wollte so viel schaffen", sagt Gisela Krösel. Von Moßbach aus habe B. zum Beispiel Rundflüge anbieten und so helfen wollen, das Gewerbegebiet wieder zu beleben.
Aber jetzt hat die Bürgermeisterin keine Zeit mehr. Eine Sache ist wichtiger als Gespräche über große Pläne. Sie will einen Besuch machen und ihr Beileid ausdrücken: Bei der Lebensgefährtin des Verunglückten.
Quelle: Malte Wicking TA; OTZ-Onlineausgabe vom 25.05.10